Ochsenturm in Imsum

Er liegt beschaulich und einsam hinter dem Weserdeich nördlich von Bremerhaven. Der alte, denkmalgeschützte „Ochsenturm“ in Imsum lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Und die können schon beim Gang zum Bauwerk feststellen, dass sie sich an einem ganz besonderen Denkmal mit einer langen Geschichte befinden. 1218 wurde der heutige Ochsenturm als Turm einer Kirche erbaut.

Wer die Pforte zum Kirchhof unter den Bäumen öffnet, dem begegnet erholsame Ruhe. Der Blick des Besuchers wandert über Gräber hin zum Turm. Manch einer, der den Ochsenturm aus der Ferne gesehen hat und nun näherkommt, ist überrascht, auf einem Friedhof zu stehen. Die Grabsteine oder auch Grabplatten stammen zum Teil aus dem 16. Jahrhundert. Sie zeugen nicht nur von wohlhabenden Marschbauern, die hier beerdigt wurden, sondern vor allem von der langen Vergangenheit des Ochsenturms. Auch Anton Biehl, Freiheitskämpfer in der Zeit der napoleonischen Besatzung, fand hier seine letzte Ruhe.

Wie kam es zu der Bezeichnung „Ochsenkirche“? Die Bewohner der drei Dörfer Imsum (früher Dingen), Weddewarden und Lebstedt konnten sich nicht über den Standort einigen, nachdem sie einstimmig beschlossen hatten, gemeinsam eine Kirche zu bauen. Ein Wurster kam auf den sonderbaren Gedanken, Ochsen die Entscheidung zu überlassen. Er schlug vor, zwei gleichstarke Tiere zusammenzubinden und sie zwischen den Orten laufen zu lassen. „Dort,“ so sagte der Wurster, „wo die beiden Tiere sich zuerst niederlegen, wollen wir unsere Kirche errichten.“ Alle waren einverstanden. Nach langem Hin und Her legten sich die Ochsen dort nieder, wo heute der Turm steht.

Ein Kirchturm ist der Ochsenturm heute nicht mehr, stattdessen ist er nun ein beliebtes Ausflugsziel. Der Gang auf seine Plattform ist ein Muss für alle Besucher. Der Blick über das Watt oder das Wasser der Weser – je nach Stand der Tide – lohnt sich zu jeder Zeit. Bei guter Sicht sind sogar kilometerweit entfernte Schiffe zu erkennen.

Ochsenturm Imsum©Stadt Geestland