Fahren im Stil der Fünfziger Jahre

Als 1896 die Bahnlinie von Lehe (heute Stadtteil von Bremerhaven) nach Bederkesa eröffnet wurde, brach für die Einwohner fast ein neues Zeitalter an. War man doch dadurch jetzt an die überregionalen Verkehrsnetze angeschlossen, konnte man Waren aller Art, Vieh und landwirtschaftliche Erzeugnisse schneller, bequemer und preisgünstiger transportieren. Die lange und unbequeme Reise mit der Postkutsche nach Bremerhaven oder Bremen gehörte nun der Vergangenheit an. Mit dem Bau der Bahnlinie setzte auch ein verstärkter Fremdenverkehr nach Bederkesa ein, vor allem die Wochenendurlauber brachten Kaufleuten und Gastwirten erfreuliche Mehrumsätze. Leider wurde die Personenbeförderung 1968 von der Deutschen Bundesbahn eingestellt, 1993 auch der Güterverkehr.

P1010476ll©Museumsbahn Bremerhaven - Bederkesa e. V.

Um die Eisenbahnstrecke zwischen Bremerhaven und Bederkesa wieder zeitweise in Betrieb zu nehmen, gründete sich 1990 der Verein „Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa“. Der Verein hatte sich bei diesem Vorhaben einen zeitlichen und thematischen Rahmen gesetzt. Das Motto hieß: „Eine norddeutsche Nebenbahn am Ende der 50er Jahre“. Dutzende von Mitgliedern packten mit an, zahlreiche Sponsoren unterstützen das Projekt. Der 1896 gebaute Bahnhof in Bederkesa wurde im Stil der Zeit gestaltet, eine Bahnhofsgaststätte eingerichtet und ein entsprechender historischer Wagenpark samt Lokomotiven angeschafft. Gleisanlagen, Bahnsteige und Signalanlagen wurden ebenfalls wieder auf Vordermann gebracht. Am 30. September 2000 konnte ein in stilechter Uniform gekleideter Bahnhofsschaffner mit roter Mütze, Pfeife und Signalkelle zum ersten Mal dem Museumszug das Kommando zur Abfahrt erteilen. Seitdem finden die Fahrten mit der Museumsbahn bei den unzähligen Eisenbahnfreunden großen Anklang. Die 17,6 km lange Strecke mündet bei Bremerhaven-Speckenbüttel in das Netz der Deutschen Bahn AG. Die Fahrt geht dann weiter über Bremerhaven-Lehe bis zum Hauptbahnhof.